Der Ehrensberger Hof

Ein HiPP Musterhof

HiPP hat 2009 auf dem Ehrensberger Hof in Pfaffenhofen in Kooperation mit Wissenschaftlern, Bioland und dem Landesbund für Vogelschutz damit begonnen, Methoden zu erforschen, die sich im Grünlandbetrieb positiv auf Bodenfruchtbarkeit und die Artenvielfalt auswirken.

Gezeigt werden soll, wie Schutz und die Förderung von biologischer Vielfalt in den landwirtschaftlichen Alltag integriert und damit Verbesserungen erzielt werden können. Langfristig möchten wir unseren Erzeugerinnen und Erzeugern pragmatische Hinweise für kostengünstige Massnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt an die Hand geben und damit die Anzahl besonders biodiversitätsfreundlicher landwirtschaftlicher Betriebe erhöhen.

Dieser HiPP Musterhof ist ein Grünlandbetrieb, auf dem auch die 2018 von HiPP initiierte Insektenstudie durchgeführt wird. HiPP-Mitarbeitende kennen den Hof, der bis heute im Familienbesitz ist, ebenso wie Schüler, Studierende und sonstige interessierte Gruppen, da HiPP regelmässig Führungen auf dem Hof anbietet und die Erkenntnisse dadurch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.

Gemeinsam mit der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller e.V. (AöL), der TU München, der Leibniz Universität Hannover und Partnerunternehmen untersuchen wir die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die biologische Vielfalt innerhalb der Wertschöpfungskette ökologischer Lebensmittel. Es werden praktische Schritte erarbeitet, die Verbesserungen ermöglichen. Diese dienen anderen landwirtschaftlichen Betrieben als Vorlage für eigene Massnahmen.

Um die Artenvielfalt zu erhöhen, fanden seltene alte Rassen auf dem Hof ein Zuhause: Original Braunvieh, von dem es nur noch 500 Tiere in Bayern gibt und die alte Hühnerrasse Appenzeller Spitzhauben.

Das Original Braunvieh ist laut der Roten Liste der bedrohten Nutztierarten „stark gefährdet“. Auf dem Ehrensberger Hof, dem Musterhof von HiPP für eine regenerative und biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft, wird diese Rasse artgerecht gehalten.

Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz, Bayern (LBV) sind auf dem Ehrensberger Hof verschiedene Auswilderungsprojekte durchgeführt worden, um beispielsweise die Schleiereule, die Gelbbauchunke, die Fischlanddole oder der Laubfrosch wieder anzusiedeln. Auf dem Ehrensberger Hof werden Arten wie Gelbbauchunken angesiedelt.

Der Neuntöter ist eine wichtige Art für ein intaktes Ökosystem. Durch intensive Landwirtschaft fehlen dem Vogel immer mehr die Hecken und Büsche als natürliche Umgebung. Er gehört mittlerweile zu den gefährdeten Arten. Der seltene Vogel ist vor allem dadurch bekannt, dass er seine Beute auf Dorne spiesst. Dem Volksglauben nach, sammelt er so immer erst neun Insekten, bevor er diese verspeist. HiPP schafft auf dem Ehrensberger Hof neue Lebensräume für den Neuntöter, beispielsweise durch Aufschichten von Benjeshecken (Äste und Zweige) an Feldrändern.

Er ist kaum noch zu hören oder zu sehen: Der Uhu gehört zu den gefährdeten Tieren Deutschlands. Sein grösster Feind ist der Mensch. Monokulturen wie Mais- und Rapsfelder sowie intensive Forstwirtschaft rauben dem Uhu seinen Lebensraum. Mit dem Verlust seines Reviers geht massiver Nahrungsmangel einher. Auf dem Ehrensberger Hof lebt nun ein Uhu-Pärchen und zieht seinen Nachwuchs gross. Durch die ökologische und extensive Landwirtschaft bleiben Pflanzen auf dem Hof naturbelassen und frei von Pestiziden. So bildet der Hof einen optimalen Lebensraum für die seltenen Vögel.

Dieser Nistkasten aus einem Naturstamm soll Turmfalken oder Waldkäuzen als Brutplatz dienen. Heutzutage ist es leider üblich die Wälder von Totholz (natürliche Brutstätte vieler Vögel) frei zu halten. Deshalb wird ein Nistkasten als Alternative angeboten.

Gut zu wissen

  • Schleiereulen fressen in der Brutzeit pro Paar bis zu 30 Mäuse am Tag.
  • Eine Fledermaus frisst pro Nacht bis zu 4000 Insekten.
  • Warum einzelne Tierarten schützen? Ganz einfach, sie erfüllen Funktionen, die wir erst wahrnehmen, wenn sie fehlen. So gäbe es z.B. ohne Laubfrösche sehr viel mehr Stechmücken.

Viele Menschen könnten wohl ohne Honig leben - doch ohne Bienen geht es nicht. Die Insekten liefern nicht nur den süssen Brotaufstrich, sondern bestäuben vor allem Blüten. Damit sichern sie die Existenz von Pflanzen und sorgen für gute Erträge der Bauern. Ohne die Tiere ist beispielsweise die Obsternte bedroht. Wenn Bienen sterben oder kränkeln, betrifft das uns alle. Deshalb engagiert sich HiPP durch Projekte zur Biologischen Vielfalt für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume - auch für Bienen. Der Ehrensberger Hof beheimatet nun auch sechs Bienenvölker, die als Entgegnung auf das dramatische Bienensterben angeschafft wurden.

Gut zu wissen

  • 85% der weltweiten Nahrungsmittelproduktion hängt von der Honigbiene ab. Sterben die Bienen aus, kann auch der Mensch nicht überleben, denn die verbleibenden Wildinsekten würden es nicht schaffen alles zu bestäuben.
  • Ein Bienenvolk hat bis zu 60.000 Bienen.

Um die Ansiedlung des Ameisenlöwen und anderer Insekten zu fördern, wurde auf dem Hof Lebensraum geschaffen. Insekten, die im Erdreich oder sandigen Boden leben, leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für unsere Bodengesundheit und die Biodiversität. Sie lockern den Boden und tragen auch mit ihren Ausscheidungen dazu bei, dass dem Boden Nährstoffe zugeführt werden.

Baumreihen, Wildschutzhecken (z.B. für den Neuntöter), Benjeshecken, Wurzelstöcke und Blühstreifen an Feldrändern und in den Wiesen bieten neue Lebensräume für Reptilien, Vögel, Kleinsäuger und Insekten. Das Prinzip der Benjeshecke besteht darin, Hecken nicht durch Neuanpflanzung, sondern durch Wind- und durch Samenflug aufbauen zu lassen. Dazu werden Äste, Zweige und Reisig als Wall locker gestapelt, was wiederum dem Schutz der heranwachsenden Pflanzen dient. Die Vorteile einer solchen Anlage bestehen zum einen in ihren günstigen Herstellungskosten, darüber hinaus bietet das locker gelagerte Totholz unmittelbar Lebensraum für zahlreiche selten gewordenen Arten.

In der konventionellen Landwirtschaft werden die Felder und Wiesen aus Ertragsgründen bis an die Wegkanten bewirtschaftet. Zur Förderung der Biodiversität legen wir unter anderem an den Feldrändern Wildschutzhecken mit Totholz und heimischen Wildblumen an. Diese dienen Tieren als Lebensraum, bieten den Kühen Windschutz und vermindern Bodenerosion.

Drei Elemente regenerativer Landwirtschaft:

Feldrandbepflanzung mit Totholz und natürlicher Unterstand für das Vieh in einem Rotbuchenwald.

Wildschutzhecken mit Totholz

Heimische Wildblumen

Gut zu wissen

  • Trotz Hecken, die die reine Feldfläche kleiner machen, hat der Landwirt den gleichen Ertrag. Obwohl der Ertragsfläche etwas genommen wurde, ist der Ertrag am Ende gleich, weil sich die Bedingungen verbessern (z.B. entsteht an heissen Tagen viel Verdunstungskälte) und die angebauten Pflanzen stressfreier wachsen können.
  • Wird zur falschen Tageszeit gemäht (z.B. mittags), tötet man bis zu 24000 Honigbienen pro Hektar und eine unbekannte Zahl an Wildinsekten.
  • In konventionellen Wiesen gibt es durch das häufige Mähen nur noch 3-5 Grassorten, auf einem Hof, der biologische Vielfalt erhält, dagegen bis zu 35 verschiedene Grassorten.

Hinsichtlich der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit werden in dem Modellprojekt verschiedene Methoden erprobt, wie beispielsweise Steinmehl zur Bindung von Ammoniak, Festmistdüngung und andere natürliche Methoden. Auch Massnahmen zur Unterstützung der Tiergesundheit, wie beispielsweise Biostroh als Einstreu werden eingesetzt.

Viele Einwirkungen beeinträchtigen die Bodenqualität, besonders in der Landwirtschaft.

  1. Zersiedelung
  2. Chemische Belastung durch Industrie und Landwirtschaft mit Langzeitfolgen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Bodens.
  3. Physikalische Belastung durch unsachgemässe Bearbeitung (schwere Maschinen und Bodenbearbeitungsgeräte, die die empfindlichen Bodenkomplexe zerstören mit der Folge, dass vermehrter Einsatz von Chemie für Aufrechterhaltung der Ertragskraft erforderlich wird).
  4. Bearbeitung zum falschen Zeitpunkt.
  5. Verlust von organischer Substanz und damit der Leistungsfähigkeit des Bodens durch falsche Dünger, falsche Fruchtfolge und falsche Bodenbearbeitung.
  6. Beeinträchtigung des Grundwassers durch falsche Bodennutzung.

Der Grundsatz:

„Gesunder Boden – gesunde Pflanze – gesunder Mensch oder gesundes Tier“

Gut zu wissen

  • 150 l Wasser kann ein guter Bio-Boden pro Tag aufnehmen und speichern.
  • 77 Hektar Boden verlieren in Deutschland täglich ganz oder teilweise ihre Funktion durch Versiegelung, Erosion und Verschmutzung.
  • Gute Bio-Böden können pro Jahr und ha 575-700 kg CO2 speichern.
  • Regenwürmer sind sehr wichtig für den Boden. Sie lockern ihn auf und düngen ihn quasi mit organischer Substanz (Humus), die sie abgeben. Im biologischen Landbau findet man 200 - 500 Regenwürmer pro m2.
  • Bei Böden mit 230 Regenwürmern pro m2 sind das umgerechnet 2,5 t Regenwürmer pro ha.
  • Böden mit 600 Regenwürmern pro m2 könnten 80 t Humus pro Jahr und ha produzieren (Optimalfall).
  • Regenwurmröhren gehen bis zu 2 m tief in den Boden. Ein Regenwurm lebt ca. 10 Jahre in einer Röhre, wenn man ihn lässt, danach besteht die Röhre weitere 10 Jahre und wird von anderen Insekten und Wurzeln genutzt.